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Ich besitze nicht die Frechheit, an einen Gott zu glauben. Ich bin ein Agnostiker (Nichtwisser),* aber die Regel, nach der ich mein Leben lebe, ist die Goldene Regel; d.h. ich versuche, andere so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte – und ich möchte immer gut behandelt werden.
Im menschlichen Dschungel aus Gewalt, Korruption und Gier sind allerdings meine Versuche jeden Tag ungenügend.
Der Ehrliche ist allzu oft der Dumme …
Menschen werden als Mittel zum Zweck benutzt …
Freundlichkeit wird als Schwäche ausgelegt …
Ich selbst habe nur ein gewisses Maß an Zeit, Geld, Energie …
Ich wähle meine Ziele, ich setze Prioritäten …
Unvollkommen, wie ich bin, lebe ich nach dieser Regel, von der es viele Versionen gibt:
„Tu’ Gutes, auf dass dir Gutes getan werde!“
(Alt-Egyptisch: Die Geschichte vom wortgewaltigen Bauern 109-110)
„Vermeide, zu tun, was du anderen übel nimmst“
(Thales von Milet)
„Tue anderen nicht an, was dir schadet!“
(Zarathustra, Shayast-na-Shayast 13.29)
„Jeder sollte alle Lebewesen so behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte!“
(Jainismus, Vardhamana Mahavira, Sutrakritanga 1.10.13)
„Füge deinen Nächsten nicht den Schmerz zu, der dich schmerzt!“
(Buddha, Udana-Varga 5.18)
„Tue anderen nichts, was du nicht möchtest, dass sie dir tun!“
(Gespräche des Konfuzius 15.23)
„… du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst …“
(AT, 3. Buch Mose 19, 18)
„Betrachte den Gewinn deines Nachbarn als deinen Gewinn und seinen Verlust als deinen Verlust!“
(Taoistismus, T’ai-shang Kang-ying P’ien 213-218)
„… tue nichts, das dir Schmerzen verursachte, würde es dir getan!“
(Brahmanismus und Hinduismus, Mahabharata 5:1517)
„Was dir selbst verhasst ist, das tue nicht deinem Nächsten an!“
(Rabbi Hillel, Talmud, Shabbat 31a)
„Behandle deine Untergebenen so, wie du von deinen Vorgesetzten behandelt werden möchtest!“
(Seneca, Epistle 47:11)
„Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen …!“
(NT, Matthäus 7, 12)
„Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selbst wünscht!“
(Muhammad der Prophet, Vierzig Hadith von an-Nawawi 13)
„Sei wohltätig zu allen Wesen …!“
(Shintôismus, Kojiki von Ô no Yasumaro)
„Ich bin niemandem fremd, und niemand ist mir fremd. Ich bin allen ein Freund.“
(Sikhismus, Guru Grath Sahib, S. 1299)
„Lade keiner Seele Lasten auf, die du selbst nicht tragen möchtest …!“
(Bahá’i, Gleanings from the Writings of Bahá’u'lláh 66:8)
„… tue nichts, was du nicht möchtest, dass man dir tun soll!“
(British Humanist Association, 1999)
* Anders als der selbsternannte Atheist, der die Existenz transempirischer Realitäten bestreitet, ist ein Agnostiker der Ansicht, dass die Existenz von Göttern, bzw. eines Gottes, weder beweisbar noch widerlegbar ist. Ein entschiedener Agnostiker sagt: „Ich kann nicht wissen, und Sie auch nicht.“
Woran ich glaube?
Ich glaube, dass jeder glauben kann, was er will – wenn’s niemandem weh tut.
Was weh tut, ist Scheinheiligkeit, Verlogenheit, Frömmelei, Bigotterie, Fanatismus …
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